Susanne
Haun in der Galerie „Stine“
Bützow
Ansprache J.Steinmann
zur Eröffnung am 5.November 2006
Am
kommenden Donnerstag wird die nächste Ausstellung von Susanne Haun eröffnet: Berlin Kurfürstendamm in der Galerie „Art&Champagne“. Trotz
„Kunst und Genuss“ – zum hier und heute in Bützows Rühner
Straße ist ein größerer Kontrast kaum denkbar. Allein, die „power“
– Frau Susanne Haun schafft diesen Spagath.
Wer
ist Sie?
1965
in Westberlin geboren, in Tegel und im Wedding lebend und arbeitend. Von
Kindesbeinen an malt und zeichnet sie. Susanne Haun erleidet nicht das, was Kunstpädagogen den
„Kindheitsbruch“ oder den „pubertären Gestaltungsverlust“ nennen. Sie macht
einfach weiter. Ihre Liebe zum Malen und Zeichnen wächst und gedeiht neben
einer Berufsausbeildung, Mutterschaft und bürgerlichem Broterwerb. Um 1988
erfährt ihr künstlerisches Tun den entscheidenden – den wieter
führenden Impuls: Es ist die chinesische Tuschmalerei. Jede Linie muss Bestand
haben und zwar sofort nicht korrigierbar. Grafisches kommt vom Schreiben.
Die
Künstlerin arbeitet nicht gern allein und sie sucht die Öffentlichkeit. Seit 1999
ist sie professionell im Internet präsent. Sie stellt sehr häufig aus, auch im
Ausland; New York zum Beispiel. Sie beteiligt sich oft an Wettbewerben und stellt
sich Juryentscheidungen. Die Künstlerin sucht kollegiale Gemeinschaft und findet sie im Atelier des Kunstzentrums Tegel-Süd, im Berliner Künstlerbund und vor allem im gemeinsamen Atelier plus
Druckwerkstatt mit Andreas
Mattern. Dort bieten
beide Kurse an. Die Unterlagen auf dem Informationstisch können weitergehende
Neugier befriedigen.
Vor
einem dreiviertel Jahr lernte ich Susanne Haun und ihre Arbeiten persönlich kennen und schätzen. Es
war eine kleinformatige Präsentationsmappe mit tagebuchartigen Zeichnungen
sowie mit farbigen Aquatinta-Blättern, welche bei mir
sofort kollgiales Einverständnis auslösen. Beide
Werkgruppen bilden den Kern dieser Ausstellung. Obwohl technologisch gesehen
zutiefst Grafisches vorliegt, überzeugt mich das reizvoll Malerische, das über
allem liegt. Mich beeindruckt die gestalterische Disziplin der Linien und auf
welche Weise diese die Farbflächen ordnen.
Eine
zweite Begegnung war in Güstrow, wo Susanne Haun mit zwei Arbeiten in der Ausstellung „Kunst und
Umwelt“ im Mai diesen Jahres in der Wollhalle
vertreten war. Im Frühsommer konnte ich erstmals eine umfangreicherer
Ausstellung der Künstlerin genießen. In Potsdam waren vor allem Malarbeiten zu
sehen, die das künstlerische Anliegen umfangreicher offenbarte. Im Porträt, im
Akt, in Figuren im Raum wird die wirkliche menschliche Individualität gesucht
und dargestellt. Die Künstlerin schält diese heraus aus der Masse der Großstadtmenschen. Schmale
Hochformate. Und sie lässt sich nicht verleiten, dem krassen Individualismus des
Provozierens zu huldigen. Stattdessen: Schönheit des Antlitzes eines Einzelnen,
die natürliche Bewegung des menschlichen Körpers. Die urbanen Realitäten werden
für „wahr“ genommen, weil sie eingesehen werden. Kein Voyeurismus
sondern freundliche Intimität von femininer
Sinnlichkeit bis zur unaufdringlichen Eleganz. Solche „Markenzeichen“ fielen
mir zu Susanne Hauns Kunst
ein.
Diese
Eindrücke durfte ich bei einem Atelierbesuch im Wedding vor zwei Wochen
vertiefen und ordnen. Stellen Sie sich eine Ladengalerie von 150m² vor. Nach
hinten folgen zwei Arbeitsräume und die Druckerei für die Radierungen.
Öffentlich
arbeiten, galeristisch Resultate zeigen, Kurse abhalten und natürlich
verkaufen. Gemeinschaftlich und deshalb u.a. auch
wirtschaftlich vernünftig. Realismus auch auf diesem Feld.
Erst
bei diesem Atelierbesuch finde ich eine Art Symbol für die künstlerische
Tätigkeit von Susanne
Haun: Es ist ein
gleichseitiges Dreieck; eigentlich sind es sogar mehrere. Das erste Dreieck
wird bestimmt durch Handzeichnung, durch Malerei und durch die Druckgrafik.
Harmonisch bedingen sie einander, ohne Rang- und Reihenfolge, qualitativ
ausgewogen mit der inneren Logik eines Dreiklanges.
Da
sind die Handzeichnungen nach Modell bei Porträt und Akt, nach arrangierten
oder gefundenen Stillleben. Hervorzuheben sind die „Tagebucheinträge“ als Etüden gezeichnet und
literarisch ambitioniert umschrieben. Sie besitzen feinen Humor und
nachdenklichen Hintersinn. In ähnlicher Handschrift gibt es subtile
Meditationen z.B. zur Lyrik Herman Hesses.
Die
Druckgrafik ist der zweite Eckpfeiler. Die selbst gedruckten Aquatinta
Radierungen sind auf das jeweils Wesentlich konzentriert und reduziert. Das
malerische Element bietet diese Technik an sich und wird verstärkt durch das
farbige Übereinanderdrucken mehrerer Platten. Es wird nichts im Nachhinein
koloriert! )
In
Susanne Hauns
Malerei wiederum diziplinieren grafische Liniaturen
das kraftvolle Fluten der Farben.
Ein
anderes, ebenso harmonisches Dreieck: Die Künstlerin pflegt ein freundliches nüchternes Verhältnis zu ihrer Heimat Berlin.
Zugleich mag sie das schöne Berliner Umland, zu welchem sie großzügigerweise
auch die Insel Usedom zählt. Und Susanne Haun
liebt inspirierende Studienreisen ins Ausland. Ein verständlich schönes
Dreieck!
Abschließend
entwerfe ich ein drittes, ein „Realismus“ Dreieck. Die Künstlerin steht mit beiden Beinen realistisch zum Prozesshaften der eigenen
Kunstproduktion. Ihre künstlerischen Ergebnisse sind augenscheinlich
realistisch. Und dritte Realie ist ihr eigenes
Kunstmarketing.
Derartig
gleichseitigen Dreiecke umschreiben natürlich nur eine mitzuteilende Lebensform
und kreativen Daseinsinhalte und so wünsche ich dieser Ausstellung eine
geneigte Rezeption und –realistischerweise- auch guten kommerziellen Erfolg für
Künstlerin und Galeristin.