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Susanne Haun, Berlin, den 24. Februar 2007

Text zur Ausstellung „Der Weg – die fünf Lebensstufen der Frau“

im Schleswig Holstein Haus in Schwerin

vom 26. April bis 3.Juni 2007

 

Das wichtigste in der Kunst ist für mich die Authentizität eines Werkes. Das bedeutet, dass ich dieses Bild, so wie es ist, nur jetzt mit meinen inneren Erkenntnissen und meinem Können malen konnte. Ich kann es in der Art nicht nächsten Monat und ich hätte es nicht letztes Jahr so malen können.

 

Eines meiner größten Projekte diesen Jahres ist die Ausstellung „Der Weg – Die fünf Lebensstufen der Frau“ im Schleswig-Holstein Haus in Schwerin. Das 450 x 200 cm großes Bild wird durch das Dach bis auf den Boden in der dortigen Remise zu sehen sein. Die Idee habe ich zwei Jahre in meinem Kopf schwanger getragen. Vor zwei Jahren stand ich das erste Mal in der Remise und habe durch das Loch in der Decke geschaut und sofort kamen die Bilder in meinem Kopf und ich sah die lange Leinwand vor mir. Inspiriert haben mich auch die vielen Frauen, die bei mir Malen lernen wollen – meine Malschülerinnen. Auf dem Bild werden die fünf Lebensstufen der Frau dargestellt: Geburt, erste Periode, Schwangerschaft, letzte Periode und der Tod. Obwohl ich so lange über dieses Bild nachgedacht habe, sind viele Elemente des Bildes von mir spontan und bewegt gemalt worden. Sie entstanden aus der Situation heraus, das Gedachte um zu setzten. Die Malerei fängt meine Melancholie und meine Freude auf. Ich finde, dass das Zeitgeschehen nicht unmittelbar in ein Bild einfließen muss und dennoch kann ich es nicht immer verhindern, weil ich aktuelle Situationen in meinen Bildern darstelle. „Mal doch mal schönes Bild!“, sagt mir das Publikum oft. Diese Erwartung muss ich enttäuschen. Ein Bild muss für mich nicht schön sein sondern eindrucksvoll und aufwühlend und aus mich heraus kommen.

Die Malerei ist ein sehr einsamer aber damit auch ein sehr harmonischer und persönlicher Prozess. Die Malerei kommt kompromisslos aus mir heraus ohne dass ich unmittelbar auf die Gesellschaft oder dem Publikum reagieren muss. Ich kann ich sein. In der Auseinandersetzung mit dem Publikum bin ich zu anhaltenden Diskussionen uns Auseinandersetzungen verpflichtet. Das aus mir entstandene Bild stellt sich somit der Gesellschaft.

 

Die Zeichnungen sind ein weiterer Teil meines Schaffens. Nirgends wo wie in der Zeichnung – ja in der einzelnen Linie – kommt die Handschrift eines Künstlers so zum Ausdruck. Keine Linie in der Zeichnung ist nur dekorativ, jede Linie hat ihren Sinn und ihre Berechtigung im Bild. Ich zeichne täglich. Deshalb habe ich es aufgegeben meinen Zeichnungen Namen zu geben. Ich katalogisiere sie nach dem Datum der Entstehung und damit war für mich klar, dass meine Zeichnungen meine Tagebucheintragungen sind. Nirgendwo wie in der einzelnen Linie kann mein Gemützustand erkannt werden. Ist die Linie ruhig, ist sie bewegt?

 

In der heutigen Zeit scheint die Definition der Frau im Umbruch. Ob Eva Hermann („… ein liebevoller Vorsatz, sich zu verstehen, reißt alle Grenzen nieder“) oder Alice Schwarzer (Leitfigur des feministischen Kampfes) – jeder Lebensweg spricht von Selbstbewusstsein und Eigenbestimmtheit der heutigen Frau. Auch ihr Verhältnis zu Männern ist in unserem noch neuen Jahrhundert ein Neues. Auch wenn die Frau sich für Mutterschaft und Haushalt entscheidet ist sie doch nicht mehr die Arbeitskraft des Mannes sondern eher die gleichberechtigte Partnerin.

 

Susanne Haun, Seite 2

 

 

Oder ist das bloß ein Traum? Glauben wir uns auf einem Selbstbestimmten Weg und landen in einer Sackgasse?

Sarah Haffner schreibt in Ihrem autobiografischen Text „Eine andere Farbe“: „Die Sexuelle Revolution ging absolut auf Kosten der Frauen.“ Können wir dem Zustimmen? Jede Frau aber auch jeder Mann muss sich dieser Frage selbst stellen.

 

Jedes Jahrhundert hatte seine Venus. Wie wird die Venus des Jahrhunderts 2000 aussehen? Welche Schönheitsideale wird es geben und welche politischen Ziele wird sie verfolgen. Wir haben das Glück am Anfang eines neuen Jahrhunderts, nein, sogar eines neuen Jahrtausends, zu leben. Alles ist offen und alles ist spannend

 

Ich bin keine Feministin im herkömmlichen Sinne oder eine Männerhasserin. Ich wünsche mir sehr viel mehr Respekt und Anerkennung zwischen Mann und Frau auch wegen der unterschiedlichen Leistungen die jede/r auf Grund seiner genetischen Anlagen ins Leben mit sich bringt. Ich arbeite seit fast fünf Jahren mit meinem Kollegen, Kumpel und Künstlerfreund Andreas Mattern zusammen. Wenn man sich die Kunstszene anschaut, weis der Leser wie selten eine so kontinuierliche Zusammenarbeit in der Kunstszene ist. Und hier ist eben am allerwichtigsten der gegenseitige Respekt der Person und der Arbeit des anderen. Wichtig ist auch zu akzeptieren, dass die Lösung des einen nicht die Lösung des anderen sein muss. Gegensätzlicher als bei uns beiden kann der künstlerische Ausdruck auch nicht sein. A.Mattern hat sich völlig der Aquarellmalerei verschrieben. Wichtig ist sich gegenseitig in seinen Zielen zu unterstützen ohne sich mit Gewalt zu beeinflussen oder zu unterdrücken oder der bessere sein zu wollen. Auch darf kein Neid entstehen, wenn der eine einen Monat mehr verkauft als der andere. Alles gleicht sich im Leben aus. Deshalb gab es für mich auch keinen besseren Laudator, der zu dieser Ausstellung über mich und über mein Bild sprechen kann. Noch dazu, wo A.Mattern aus Schwerin ist.