L a u d a t i o
Zur
Eröffnung der Kunst-im-Gutshaus-Ausstellung
Special zu den Glinder Kulturwochen 2009
„ Kurzgesehen “
am 02. April 2009, im Gutshaus Glinde mit Werken von
Susanne Haun
Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Im Namen der Veranstalter der Ausstellungsreihe ‚
Kunst-im-Gutshaus ‚ der Sönke-Nissen-Park-Stiftung und des Kunstverein Glinde
e.V., darf ich Sie heute sehr herzlich zur Eröffnung der Kunstausstellung „
Kurzgesehen„ mit Werken der Berliner Kunstmalerin Susanne
Haun begrüßen.
Es freut uns sehr, dass Frau Haun den Weg von
Berlin nach Glinde zu ihrer Vernissage unternommen hat. Herzlich willkommen Frau Haun im
Gutshaus Glinde! Unsere Gäste begrüßen Sie mit mir zusammen!
Begrüßen möchte ich auch Herrn Andreas Mattern aus Berlin. Er und Frau Haun
arbeiten zusammen in einem Atelier
in Berlin-Wedding. Frau Haun und Herr Mattern werden beiden zu den Ausstellern
der diesjährigen 17. internationalen Kunstausstellung FORM-A(R
)T vom 24. – 26. April 2009 hier im Glinder Marcellin-Verbe-Haus
(Bürgerhaus) Markt 2 gehören.
Diese Ausstellung dauert 2 Monate und wird daher
noch bis zum 31. Mai 2009 zu den Öffnungszeiten des Gutshauses (montags bis
donnerstags 10 – 13 und freitags von 10 – 12, sowie montags und mittwochs von
14 – 16 Uhr und dienstags und donnerstags von 14 – 17 Uhr) zu sehen sein. Als
Sonderöffnungszeit wird Sinntag, der 26. April 2009 von 14 – 16 Uhr angeboten.
Heute können Sie die Künstlerin zu ihren Bildern
noch persönlich ansprechen und Fragen stellen. Danach steht Ihnen für Ihre
Fragen das Stiftungsbüro im Gutshaus zu seinen Öffnungszeiten für Ihre Anfragen
zur Verfügung.
Den musikalischen Rahmen für diese Vernissage setzt
Frau Christiane Ruderisch aus Barsbüttel
am Gutshaus-eigenen Flügel.
Im Rahmen dieser offiziellen Eröffnungsfeier wird
Frau Susanne Haun eine kleine Lesung
aus der Kurzgeschichte „Im Malstroem“ von Edgar Allen
Poe vortragen.
Es ist erst wenige Wochen her, da fanden in
Deutschland wieder die zwei wichtigsten Literarturmessen statt: die Buchmesse
in Leipzig und die Frankfurter Buchmesse. Mittlerweile gibt es auch
„Nebenschauplätze“ wie jetzt in Köln. Aber Leipzig und Frankfurt, das sind die
Taktgeber und Magneten.
Von Schriftstellern, Verlagen und Buchhändlern,
aber auch von den Literaturbegeisterten unter uns werden diese Messen stets
ungeduldig erwartet. Hier erwartet die Leseratten Neues aus der Welt des Buches.
Lesen - kann eine große Leidenschaft sein. Jeder
Roman, jede Erzählung entführt uns, ihre Leserin oder ihren Leser, in eine
andere Welt. Indem wir den Helden im Gelesenen gedanklich folgen, tauchen wir
in Welten ab.
Wir entwickeln ohne dass wir es wollen Bilder im
Kopf. Vom Autor beschriebene Figuren, Charaktere nehmen vor unserem geistigen
Auge Gestalt an. Wie schnell, wie gut,
wie plastisch genau – das hängt vom erzählerischen Geschick des
Autors ab.
Mancher vermag mit wenigen Worten, aber treffend
gewählten Adjektiven, geradezu bildhaft zu erzählen. Der Leser gewinnt auf
diese Weise schnell den Zugang zum Geschehen.
Andere Autoren lassen ihre Geschichte langsam
angehen, verlangen von ihrem Leser, dass er sich die Protagonisten der
Erzählung / des Romans erst im Kopfbild erarbeiten muss;
machen dem Leser es etwas schwerer;
belohnen ihn dann aber damit, dass die Geschichte
für ihn, den Leser, dann noch zusätzlich an Tiefe gewinnt und dann zunehmend an
Fahrt und Spannung aufnimmt.
Egal, ob der Zugang zu einem Roman leichter oder
schwerer bereitet wird, er hinterlässt in der Regel einen nachhaltigen
Eindruck. Es sind die Bilder im Kopf, die unser ganz persönliches Eigentum
bleiben. Für die Stunde des Lesens und sehr häufig auch darüber hinaus; mitunter
Jahre und Jahrzehnte darüber hinaus.
Bei einigen Werken bleiben uns Lesern nicht nur
Bildsequenzen erhalten, sondern auch einzelne Sätze bis hin zu Passagen. Es
muss ja nicht gleich der „Werther“ sein, den man später noch zitieren kann.
Auch danach - man darf es kaum glauben – wurde noch viel
große Literatur geschrieben, die unsere Herzen erreichte und von der einiges
sogar darin aufbewahrt blieb.
Gute Literatur erreicht mit der Kraft ihrer Worte,
einem ehrlichen, den Intellekt fordernden und authentischen Plot die Seele
jedes, nicht nur des anspruchsvollen Lesers. Gute Literatur bricht in uns ein
und gibt uns den rechten Kunst-Ausgleich zum mühsamen Alltag.
Im Herzen aufbewahrt hat auch unsere Kunstmalerin Susanne Haun die Literatur, die sie las. Susanne Haun liest jeden Satz eines Buches sehr
intensiv und –zumindest was Nicht-Sachbücher betrifft – auf ungewöhnliche Weise.
Wie sie Bücher liest, das beschreibt die Künstlerin
wie folgt:
„ Beim Lesen eines Buches entstehen in meinem Kopf
automatisch Bilder. Ich lese ein Buch nie ohne Textmarker. Sofort markiere ich
mir die mir am eindrucksvollsten wirkenden Sätze. Aus den Sätzen entstehen
meine großen Tuschezeichnungen (Format 80 x 60 cm). Ich zeichne sie mit
schwarzer Tusche, so wie auch Worte mit schwarzer Tusche geschrieben werden.“
Auf diese Weise visualisiert Susanne Haun die
Geschichten. In der Vergangenheit hat sie sich so mit Hamlet, Hermann Hesse,
Urs Widmar, Schlink und vielen anderen Autoren
auseinandergesetzt.
In Glinde zeigt uns Susanne Haun Arbeiten zu der
Kurzgeschichte „Im Malstroem“ von Edgar Allen Poe.
Aus dieser Kurzgeschichte wird Frau Haun noch eine kleine Lesung vortragen.
Die Geschichte ist sehr männlich, bemerkt die
Künstlerin. Sie stellt fest, dass die Kraft der Natur und der Mensch in der
Natur gezeigt werden. Die Zeichnungen zu „Im Malstroem“
entstanden im Herbst 2008.
Im Moment arbeitet Susanne Haun neben ihren
täglichen Zeichnungen an einer Geschichte von Berthold Brecht, „Der Mantel des
Ketzers“. Die für die Künstlerin so inspirierendem Sätze wurden von ihr im Buch
schon farblich hervorgehoben. Diese Geschichte zu visualisieren, erzeugt bei
Susanne Haun schon jetzt eine große Vorfreude.
Als Gegenstück zu ihren großen Tuschezeichnungen, die sie mit
Unterschrift und selbst gestaltetem Specksteinstempel signiert, hält Susanne
Haun die Tage in kleinen Zeichnungen fest. Die Tagebuch-Werke zeichnet die
Berliner Künstlerin mit Feder, Tusche und Aquarellfarben auf Bütten. An der
Wand zur Präsentation zusammengefügt ergeben die kleinen Zeichnungen eine
Menschenmenge. Vom Betrachter einzeln aus der Gesamtpräsentation ausgewählte
Zeichnungen, lassen ihn etwas über das einzelne Schicksal erfahren.
Es ist ungewöhnlich, dass ein Künstler so
konsequent wie Susanne Haun zeichnet und die Zeichnung auch so stark und
alleinig in den Mittelpunkt seines Schaffens und seiner Ausstellungen stellt.
Zumeist ist das grafische Werk nicht im Zentrum des künstlerischen Schaffens
und rangiert eher auf einem Nebengleis, einem Parallelgleis neben der Malerei,
die doch gern in das Zentrum gerückt wird.
Dabei offenbart sich gerade in der Zeichnung das
Können, auch und gerade das handwerkliche Können eines Künstlers. Wer nicht gut
zeichnen kann, kann auch selten gut malen. Mit der Zeichnung wird häufig das
Konzept eines späteren Gemäldes geformt.
Aber gerade, weil die Zeichnung häufig der
Wegbereiter zur Malerei ist, kommt es
eben im Gegenzug recht selten vor, dass ein Künstler gerade der Zeichnung das
Hauptgewicht seines Schaffens einräumt. Es ist absolut begrüßenswert, dass
Künstler wie Susanne Haun gibt, die der Zeichnung mit ihrem Werk eine so
wohlverdiente Stellung einräumen und die Sichtweise von uns, den Betrachtern
von bildender Kunst, neu die Augen öffnen und unsere Herzen sensibilisieren für diese Kunstform.
Susanne Haun will und wird sich in der Zukunft
weiter mit der Zeichnung auseinandersetzen. Und sie sagt dazu weiter:
„ Die Zeichnung fängt alle Augenblicke ein, die der
Zeichner braucht, um sie fertig zu stellen. Ein
Foto fängt nur die Sekunde des Auslösens ein. Nirgendwo, wie in der
Zeichnung wird die Handschrift des Künstlers so sichtbar wie in der Zeichnung.
Ich mag die Linien auf dem Papier, wie sie dicker und dünner werden und sich
auf dem Papier schlängeln.“
Dieser feinen und bildhaft treffenden Beschreibung
vermag ich nichts Weiteres als Schlusswort hinzuzusetzen. Ich beende daher
hiermit meine Laudatio auf die Künstlerin und ihre ausgestellten Werke und
empfehle Ihnen, liebe Gäste,: lassen Sie diese Worte
auf sich wirken.
Liebe Susanne,
ich wünsche Dir im Namen der Veranstalter und der
Mitglieder des Kunstverein Glinde heute einen wunderschönen Abend und dazu eine
erfolgreiche Kunstausstellung im Gutshaus Glinde.
Ihnen, sehr verehrte Damen und Herren,
wünsche ich einen anregenden, erlebnisreichen
Kunstabend, viele interessante Gespräche – vor allem mit unserer Künstlerin –
und viel Vergnügen beim literarischen
Spaziergang durch die Ausstellung „KurzGesehen“ von Susanne
Haun.
Kirsten D.
Milke
Kunstverein
Glinde e.V.
02.
April 2009